Fahrt nach Taizé

"Als besonders berührend empfinde ich es, zu sehen, mit welcher Ernsthaftigkeit und Freude die Jugendlichen die Gottesdienste besuchen … und genießen!" (Ulrike Thurn, Lehrerin für evangelische Religion und Französisch)

Schon seit 10 Jahren darf ich kurz vor Ende des Schuljahres mit einer Schülergruppe (sowie mit Kollegen und Schülerinne und Schülern der Latina) nach Taizé fahren. 

Taizé ist ein winziges Dorf in Burgund, unweit von Cluny. Dort gründete der Schweizer Roger Schütz (Frère Roger) noch während des 2. Weltkrieges eine kleine ökumenische Bruderschaft. Mittlerweile leben in Taizé in etwa einhundert Brüder, sie kommen aus allen Teilen der Welt und gehören unterschiedlichen christlichen Konfessionen an.
Dasselbe gilt für die Jugendbegegnungen in Taizé: Von März bis Oktober treffen sich (meist mehrere Tausend) Jugendliche aus vielen Ländern Europas, aber ebenso aus Südamerika, Asien, den USA und aus Afrika, um gemeinsam in Taizé Gottesdienste zu feiern und in (meist englischsprachigen) Gesprächsgruppen „über Gott und die Welt“ zu sprechen.

Das Sich-Kennenlernen und Sich-Austauschen ist meistens sehr anregend, denn man kann erfahren, wie Jugendliche anderswo ihren Glauben leben und wie sie ihn in ihrem Alltag umsetzen. 

... den Gesängen und einer Zeit der Stille. Das tut Geist und Seele wohl, hilft zur Ruhe zu kommen und ist sehr inspirierend. 
Dass das in Taizé Erlebte auch zu Hause und in den Heimatgemeinden weiter wirken soll, ist ein großes Anliegen der Brüder von Taizé. In diesem Sinne bereiten die Schülerinnen und Schüler, die an der Taizé-Fahrt teilgenommen hatten, einen Gottesdienst für die Schüler der Oberstufe vor.

Für mich sind es insbesondere die Gottesdienste, die in ihrer Art so anders sind und die es mir ermöglichen, die in vielen Sprachen gelesenen Bibeltexte auf mich wirken zu lassen. Als besonders berührend empfinde ich es, zu sehen, mit welcher Ernsthaftigkeit und Freude die Jugendlichen die Gottesdienste besuchen … und genießen! Oft bleiben abends viele noch lange nach dem Ende des Gottesdienstes in der „Kirche der Versöhnung“ (auf dem Boden) sitzen und singen weiter die Taizé-Gesänge.

Der zweite wichtige Punkt sind die Begegnungen mit Menschen „aus aller Herren Länder“. Vormittags und nachmittags trifft man sich jeweils für ca. 2h in einer Gruppe, die aus 12-16 Jugendlichen besteht. Es wird – meist ausgehend von einem Bibeltext – diskutiert, aber auch gespielt. Gemeinsam werden die Arbeitseinsätze erledigt: Waschräume putzen, Müll sammeln oder Küchendienst usw. Alle übernehmen ihren Teil, so dass das Miteinander gelingen kann. In den Gesprächsgruppen kommen kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede zur Sprache und man lernt zu verstehen, wie und unter welchen Bedingungen Gleichaltrige in anderen Ländern leben.

Das schafft, so denke ich, Verständnis und Toleranz, es entstehen Kontakte und sogar Freundschaften, die über die Woche in Taizé hinaus Bestand haben. Dass dieses Angebot für die Schüler und Schülerinnen weiter erhalten bleibt und viele das in Taizé Erlebte als „Erfahrungsschatz“ über die Schulzeit hinaus mitnehmen können, ist mir ein großes Anliegen.

Ulrike Thurn (Lehrerin für ev. Religion und Französisch)