5. Mai 2026

Erinnern heißt Verantwortung übernehmen

Jugendbegegnung 2026

Titelbild für Beitrag: Erinnern heißt Verantwortung übernehmen

Vom 23.01. bis zum 28.01.2026 durften wir, Tristan Barsties und Denise Lücht aus dem elften Jahrgang, die Jugendbegenung in Berlin besuchen. Bei der Jugendbegegnung handelt es sich um ein jährliches Bildungs-und Begegnungsprojekt des Deutschen Bundestages, bei dem sich etwa 80 junge Menschen von 17 bis 25 Jahren mit Interesse an Geschichte, Gedenkarbeit oder auch gesellschaftspolitischen Fragen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern intensiv mit Themen der Geschichte des Nationalsozialismus und der Erinnerungskultur auseinandersetzen. Sie findet anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, den 27. Januar, statt und umfasst mehrere Tage.

Schwerpunkt in diesem Jahr waren Frauen und Kinder in der NS-Zeit. Aus diesem Grund besuchten wir, nachdem wir uns alle im deutschen Bundestag eingefunden und kennengelernt hatten, die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück in Brandenburg, ein ehemaliges Frauen-KZ. Dieser Ort hat es uns ermöglicht, Geschichte „vor Ort“ erleben und reflektieren zu dürfen. Es war eine sehr einprägsame Zeit mit Workshops, Vorträgen und einem Zeitzeugengespräch mit Emmi Arbel bei dem Barbara Yelins Graphic Novel „Die Farbe der Erinnerung“, die sich mit Emmis Leben beschäftigt, im Vordergrund stand. An beiden Tagen hatten wir immer wieder die Möglichkeit, in den Austausch in unseren Arbeitsgruppen zu kommen. Dabei handelte es sich meist um Gruppen von etwa zehn Personen, mit denen man eindrücklich und offen über seine Erfahrungen und Gedanken des Tages sprach.

Nach unserem zweitägigen Aufenthalt in der Mahn- und Gedenkstätte verbrachten wir dann noch drei Tage in Berlin. Dabei besuchten wir unter anderem das jüdische Museum, das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Oberschöneweide, den Deutschen Bundestag und sogar die Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestags, wo unter anderem die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman ihre Rede hielt. Diese Rede war für unsere Reise sehr bedeutend, da sie uns zeigte, wie Tova ihre Erfahrungen als Zeitzeugin schildert, vor dem Vergessen und Antisemitismus warnt und die Verantwortung von Bildung und Engagement betont, damit sich die NS-Verbrechen der Vergangenheit nicht wiederholen. Anschließend gab es auch noch die Möglichkeit für uns, eine Podiumsdiskussion mit ihr, ihrem Enkel Aaron Goodman und dem Bundestagsvizepräsidenten Bodo Ramelow abzuhalten.

Diese Tage waren geprägt von unglaublich vielen Erfahrungen und neuen Ansichten, die uns nachhaltig im Kopf bleiben. 

Uns ist bewusst geworden, dass Erinnerungskultur nicht bedeutet, an einem historischen Ort zu stehen, ein Bild davon zu besitzen und es mit einem Hashtag zu posten. Es bedeutet, zu verstehen, warum dieser Ort existiert, warum er entstanden ist, welche Ideologien, welche Gleichgültigkeit und welcher Hass dazu geführt haben. Es soll darum gehen, nicht nur „nie wieder“ zu sagen, sondern zu begreifen, was „wieder“ überhaupt bedeuteten würde. Geschichte ist kein abgeschlossener Raum. Sie wirkt in unsere Gegenwart hinein. In Sprache, in politische Debatten, in Ausgrenzung und in Schweigen. Wer sich wirklich mit ihr auseinandersetzt, erkennt, wie schnell Vorurteile zu Feindbildern werden können und wie gefährlich Gleichgültigkeit ist, denn nur wer versteht, was geschehen ist, kann erkennen, wenn sich Muster wiederholen. Und genau das hat uns die Jugendbegegnung gezeigt. Dass Erinnern nicht beim symbolischen Kränze niederlegen oder Fotos machen stehen bleiben darf. Es beginnt dort, wo wir bereit sind, hinzusehen, zu verstehen und Verantwortung dafür zu übernehmen, damit sich die Vergangenheit niemals wiederholt.

 

Denise Lücht

(11. Jahrgang)

Fotos: Denise Lücht

Fotos: DBT/Stella von Saldern