Am 21. April fand am Elisabeth-Gymnasium in Halle (Saale) eine Lesung aus “Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen” statt.
Die Autorin Jennifer Teege, Tochter eines nigerianischen Studenten und von Monika Göth, schilderte eindrücklich ihre Familiengeschichte sowie die weitreichenden Folgen einer Entdeckung, auf die sie nicht vorbereitet war.
Im Zentrum ihres Buches steht die Erkenntnis, dass ihr Großvater Amon Göth, der Kommandant des Konzentrationslagers Płaszów war, vielen bekannt durch den Film „Schindlers Liste“. Diese Tatsache wurde ihr erst im Alter von 38 Jahren bewusst, als sie in einer Bibliothek ein ihr zuvor unbekanntes Buch fand, in dem sie die Biografie ihrer Mutter wiedererkannte. Jennifer Teege war bereits im Alter von sieben Jahren adoptiert worden und hatte anschließend nur noch wenig Kontakt zu ihrer Mutter, jedoch weiterhin zu ihrer Großmutter, der Ehefrau des 1945 hingerichteten Amon Göth.
Die Konfrontation mit diesem lange verborgenen Familiengeheimnis führte zu einer tiefgreifenden Identitätskrise, die ihr weiteres Leben nachhaltig prägte und zugleich einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung ihrer Depression leistete.
Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 hatten sich im Vorfeld im Geschichtsunterricht intensiv mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt und dabei insbesondere die Frage untersucht, wie Schwarze Menschen in dieser Zeit behandelt wurden, um den Titel des Buches besser einordnen zu können. Zur Vorbereitung der Veranstaltung entwickelten sie gemeinsam mit ihren Lehrerinnen gezielte Fragen, die sie im Anschluss an die Lesung stellen konnten.
Frau Teege beantwortete diese Fragen differenziert und ausführlich, etwa: „Wie haben Ihre israelischen Freunde aus Ihrer Studienzeit darauf reagiert?“, „Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Geschichte zu veröffentlichen?“ oder „Hatten Sie zuvor bereits von Amon Göth gehört und Ihren Nachnamen mit ihm in Verbindung gebracht?“ Zuvor las sie den Schülerinnen und Schülern die ersten sechs Kapitel ihres Buches vor und ermöglichte so einen direkten Einblick in ihre persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte.
Abschließend lässt sich festhalten, dass die Veranstaltung von den Teilnehmenden als äußerst lehrreich wahrgenommen wurde. Besonders deutlich wurde dabei die Bedeutung, sich kritisch mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Geschichte sollte nicht verschwiegen, sondern offen reflektiert werden, um ein Bewusstsein für historische Verantwortung zu schaffen und Wiederholungen von Unrecht entgegenzuwirken.
Wir danken Jennifer Teege herzlich für dieses eindrucksvolle und aufklärende Erlebnis sowie für ihren Mut, ihre persönliche Geschichte öffentlich zu machen. Unser Dank geht auch an Herrn Kuropa vom Lions-Club, Frau Boerner von der Konrad-Adenauer-Stiftung und an den Förderverein des Elisabeth-Gymnasiums für die finanzielle Unterstützung.
Schülerinnen der 9A
Fotos von Louisa Tiede