„Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim. 1, 7)
Bild: Dr. A. Tschöp
„Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim. 1, 7)
Ein nicht zufällig gewählter Satz aus der Bibel. Ausgesucht für unsere Schülerinnen und Schüler aus den vier fünften Klassen des Schuljahres 2026/27. Beim alljährlichen Segnungsgottesdienst zum Schuljahresbeginn für das Elisabeth-Gymnasium in der Kirche Dreieinigkeit in der Lauchstädter Straße in Halle war er auf den Stufen vor dem Altar zu sehen.
Sichtbar und erkennbar fanden sich auch die vier Klassenmaskottchen in der Kirche wieder: Der Hamster Krümel aus „Nils Holgersson“ für die 5a, für die 5b der Drache Fuchur aus „Die unendliche Geschichte“. Die 5c freut sich über Herrn Nilsson aus „Pippi Langstrumpf“ und für die 5d steht Kassiopeia aus „Momo“.
„Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim. 1, 7)
Dass Mädchen und Jungen, die an einer für sie neuen Schule beginnen, ein Erlebnis in vielfacher Hinsicht sind, wissen nicht nur ihre Mütter und Väter, ihre Geschwister und andere aus ihrer Familie. Sondern auch jene, die sie unterrichten – und sie selbst ebenfalls. Worüber oder worauf freue ich mich im Elisabeth-Gymnasium? Auf grünen Zetteln wurde das im Vorfeld aufgeschrieben. Wer oder was macht mir Sorgen oder sogar Angst? Orangefarbene Zettel wurden damit beschriftet. Dafür war Platz beim Segnungsgottesdienst.
„Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim. 1, 7)
Niemand kann alles. Keiner kann nichts. Jener Timotheus, an den der obenstehende Satz gerichtet ist, war einer der Schüler des Apostels Paulus. Der Überlieferung nach der erste Bischof der damals bedeutenden Stadt Ephesus in Kleinasien auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Auch er hat einmal angefangen. Wie unsere Lernenden kannte er Freudiges und das, was schwer ist. Unsicherheiten und das, worauf er bauen und vertrauen konnte.
Bei sich und bei anderen. All dem ist er nicht ausgewichen, sondern hat sich zuversichtlich dem gestellt, was auf ihn zukam.
„Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim. 1, 7)
Ich brauche – trotz meines eigenen Unvermögens – nicht meinen Kopf in den Sand zu stecken oder zu verzagen. Wenn und weil ich so vieles noch nicht kenne. Manches noch nicht kann. Weil mir bestimmte Fähigkeiten und das erforderliche Wissen dazu fehlen.
Niemand hat je ausgelernt. Tag für Tag darf ich offen sein für Neues, für mir noch Unbekanntes. Für all das, das mich fordert und herausfordert. Nicht nur am und im Elisabeth-Gymnasium. Manchmal kann ich mehr als ich meine, weil ich nicht ohnmächtig bin. Sondern Kraft dazu habe. Hinzu kommt, dass ich manches liebe. Nicht nur oder vor allem Materielles. Menschen, die mir viel bedeuten, sind wichtiger als das, was ich für Geld kaufen kann. Auch für mich empfinden sie etwas. Ihre Liebe darf ich mir schenken lassen – zu anderen und zu mir selbst. Wenn ich lerne, mich so anzunehmen, wie ich bin. Bei all meinem Tun oder Lassen gilt: Lass dich nicht verrückt machen! Lieber einen Schritt nach dem anderen, wohin auch immer, als alles auf einmal. Keine Hektik und kein Stress gleich zu Beginn, sondern Besonnenheit. Nicht nur für unsere neuen Fünftklässler kann das wichtig sein.
„Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim. 1, 7)
Einer der besonderen Momente dieses Gottesdienstes war der Segen. Die für die 5a, die 5b, die 5c und die 5d jeweils von ihren Klassenlehrern individuell gestaltete Zusage: So, wie du bist, bist du wertvoll. Wichtig. Einzigartig. Mutig, nicht verzagt, darfst du in deine Zukunft schauen und Wege gehen, die du noch nicht kennst. Denn du bist geborgen. Nicht nur in deiner Familie. Auch bei dem, der dich geschaffen hat, welchen Namen er oder sie auch immer trägt für dich. „Segnen“ vom lateinischen „bene dicere“ ist mehr als nur Gutes zu sagen. Es steht für echtes Vertrauen, obwohl unsere Welt und meine Umgebung nicht immer gut sind. Perfekt schon gar nicht. Aber ich bin nicht hilflos und machtlos angesichts dessen, was mich manchmal sprachlos macht. Ich habe Kraft, kann lieben und geliebt werden und brauche mich nicht von anderen verrückt machen zu lassen, wenn mir das eine oder andere noch fehlt.
Im übertragenen Sinn kann ich selbst zum Segen für andere werden. Wenn ich sie unterstütze und ihnen helfe. In der Kollekte für unsere Partnerschule in Ntuusi in Uganda brachten das jene zum Ausdruck, die bei diesem besonderen Gottesdienst dabei waren.
Segensreich bin ich, wenn ich mein Gegenüber so behandle, wie auch ich möchte, dass mit mir gesprochen und umgegangen wird. Sogar, wenn ich nicht immer stark bin, kann ich das versuchen. In Liebe, die nicht fragt, was ich für mein „Gutsein“ bekomme. Freiwillig, nicht gezwungen. Sondern, weil ich selbst es möchte. Nicht, wenn andere es von mir erwarten. Nicht aus blindem Aktionismus heraus, damit sich was tut. Voller Fantasie und neuer Ideen. Wohl überlegt. Nach und nach. Wenn der Moment dafür gekommen ist und der Zeitpunkt dazu passt. Als Gesegnete und als Gesegneter.
Br. Clemens Wagner ofm, Schulseelsorger